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Schnuppertour zu drei Kaiserstädten Nordchinas
Von Dr. Peter Vyskovsky (21.02.2010 22:16:26)

Nach mehreren dienstlichen Aufenthalten meinerseits in Japan, den Philippinen, Indonesien und einer privaten zu den Highlights Japans gemeinsam mit meiner Frau, fehlte China noch vollständig auf unserer persönlichen „Reise-Landkarte“.

Zumindest schnuppern wollten wir und da kam das Tai-Pan Turboangebot von Wien nach Peking und zwei weiteren Kaiserstädten gerade richtig.

Recht gut vorbereitet mittels Reiseführer, Sprachbuch für Anfänger und Internet bestiegen wir am 10.November gemeinsam mit Dutzenden Chinesen die AUA-Boeing, die uns, mit Essen, Trinken und digitaler Unterhaltung bestens versorgt, wohlbehalten nach Peking (http://www.beijing.gov.cn/ ) brachte.
 


Nach der relativ flotten Passkontrolle gab es dann noch eine Hochbahnfahrt zum Hauptterminal des Beijing Airports (en.bcia.com.cn), wo sich die 16er-Gruppe erstmals kennen lernte und von den lokalen Guides begrüßt werde.

Mit Leo und Lucy zum Himmelstempel

Leo hat natürlich einen chinesischen Namen, meinte aber, es sei leichter für Europäer mit ihnen geläufigen Namen umzugehen und so war er für uns Leo, da er an diesem Kalender-Tag geboren war. Drei Jahre Studium an der Uni Kiel vermittelten ihm nicht nur solide Sprachkompetenz, sondern auch einiges Einschätzungsvermögen zum Verhalten der EU-„Langnasen“ und sogar Kenntnis zu Auffassungsunterschieden zwischen Österreichern und Deutschen.

Zu Beginn brachte uns der Bus zum Himmelstempel, den der Kaiser einmal im Jahr besuchte, um den Mächten des Himmels zu opfern und mit ihnen zu kommunizieren.

Der erste Kontakt mit den Chinesen war eher informell, im Park vor dem Tempel wurde Schach gespielt, Karten gezockt etc. was das Zeug hält.. Mehr den Touristen zugewandt waren die Musikspieler und –sänger sowie die StraßenverkäuferInnen. Aber dazu später.

Der erste Kontakt mit dem Wetter war weniger fröhlich und farbenfroh. Eine von eisgrauen Wolken umgebene fahle Sonne beschien eine Winterlandschaft vom max. +2 Grad. Unser Reisehandbuch hatte frühlingshafte November-Temperaturen zwischen 3 und +15 Grad angekündigt, die Realität während der gesamten 10 Tage bestand in +3 bis –5 Grad Celsius.

Lucy, unsere Peking Reiseführerin, zeigte uns nicht nur den reich verzierten Tempel, sondern auch die zum Verständnis der Opferzeremonie wichtigen Museums-schätze rundum und vermittelte uns vom hochgelegenen Park aus die erste Orientierung zu Peking. Eine Foto, am „Mittelpunkt der Welt“ (Pekings) war für viele Teilnehmer ein absolutes Muss, aber ebenso für die vielen drängelnden einheimischen Gruppen auf Hauptstadt-Tour.


Legendäres Landmark-Frühstück

Alle Hotels auf unserer Reise hatten 4 Sterne-Standard, in Peking waren wir im Landmark, in der Nähe zahlreicher Botschaften und des Lufthansa-Shopping Centers im Nordosten der Stadt bestens untergebracht. Wir profitierten dort nicht nur von 7 west- bzw. östlichen Restaurants, dem Travelshop mit umfangreichem Angebot und zahlreichen weiteren Läden, sondern auch von einem angenehmen Fitness- und Poolbereich. (www.tripadvisor.de/Hotel_Review-g294212-d305047-Reviews-Landmark_Towers_Hotel-Beijing.html)

Legendär und wirklich empfehlenswert das Landmark Breakfast mit europäischen und amerikanischen Leckerbissen, einem opulenten Obst- und Müsliangebot sowie

 

fernöstlicher Frühstücks-Varianten inkl. Dim-sum, vieles vor den Augen des Gastes von kundigen Köchen zubereitet.

Am zweiten Peking-Tag war der große Ausflug zur chinesischen Mauer angesagt. Sehr konsequent Leo’s Reiseleitung, sehr pünktlich die Gruppe, übersichtlich die Einteilung. Da ein voller Bauch sich nicht auf die sehenswerten Schätze konzentrieren kann, lud er immer ein, nach dem Busausstieg zunächst die „Halle der Harmonie“ aufzusuchen, ein poetisches Wort für etwas, was halt regelmäßig notwendig ist und ein Befindlichkeits-Code, an den wir uns rasch gewöhnten.


Echt cool: Ming und die große Mauer

Mit einer Vielzahl einheimischer und (durch den Herbsttermin begründet) relativ wenigen EU-Gruppen ging es zunächst hinab zu den Ming-Gräbern, wobei die Grabbeigaben fast eindrucksvoller waren, als die Särge selbst. Angelegt wurde die Anlage 1409 von Kaiser Yongle, der auch die Verbotene Stadt in Peking bauen ließ. Die heute meist frequentierte Grabstätte der Ming-Gräber ist Ding Ling, das Grab des Kaisers Wanli. Die gesamte Grab-Anlage ist 180000 m² groß und besteht aus einem großen Vorplatz und der unterirdischen Grabkammer, die aus fünf Hallen besteht. Ding Ling war die erste Grabanlage der Ming-Gräber, die freigelegt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

Zauberhaft müsste im Frühling oder Herbst der „Weg der Seelen“ sein, von Statuen chinesischer Beamter oder Feldherren, aber auch seltener Tiere begrenzt. An unserem Tag gab es munteres Schneetreiben, das aber vor allem mit den Tierfiguren gemixt hervorragende Fotos ergab. Und wir hatten den historischen Weg quasi für uns allein ....

Daß auch in China wirtschaftlich nicht alles gelingt, beweist in unmittelbarer Nachbarschaft das verfallene Disneyland-Projekt einer schwedischen Gesellschaft, die inzwischen aufgegeben hat. Das Projekt wird gerade von anderen in der Nähe von Shanghai verwirklicht.

Chinesen speisen gerne an runden Achter-Tischen, bei unserer 16er Gruppe eine glückliche Lösung. Neben Suppe und Nachspeise (meist Obst) bestand das drehbare Buffet aus 8 Hauptspeisen, die uns durchaus mundeten. Unser Tisch zeigte Einigkeit, alle wählten Bier als kostenloses Getränk und waren mit Stäbchen schon relativ geübt. Bequemer Weise ist den meisten Touristen-Restaurant auch ein Andenken- Laden angegliedert, in diesem Fall ein umfang-reicher Friendship Store, hervorgegangen aus den früheren staatl. Touristenläden mit fixen Preisen.


Sah man Obama und mich vom Mond ?

Wir waren rund 50km vom Zentrum entfernt, aber offiziell immer noch in Peking. Das Schneetreiben wurde stärker, die Große Mauer war nicht mehr fern. (www.de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Mauer) Sie ist eine historische Grenz- befestigung, die das chinesische Kaiser- reich vor nomadischen Reitervölkern aus dem Norden schützen sollte. Nicht überall ist das „größte Bauwerk der Welt“ (solche Begriffe lieben Chinesen ebenso wie Amerikaner) so gut erhalten, wie in der Nähe touristischer Zentren (z.B. Badaling).

Denkwürdiger Augenblick: wir waren dort zwei Tage vor Barack Obama. Wahrscheinlich hatte er aber mehr Bewegungsfreiheit, den an unserem Tag war die Schneeräumung nicht sehr aktiv und wurde händisch mit bescheidensten Instrumenten durchgeführt. Das aber von vielen fleißigen Chinesen.

Sah man mich vom Mond ? Es ist umstritten, ob das Bauwerk mit seinen 6000 km Länge tatsächlich vom Mond aus konkret zu erkennen ist. Der US-Gast war jedenfalls laufend im staatlichen Fernsehen präsent.

Imposant, wie sich die Mauer den steilen Bergen hinauf- und auf der anderen Seite wieder hinabschlängelt.

Ein tapferes Paar aus dem Waldviertel erkundete mehr als 1 km der Mauer, andere vermieden auf Schnee und Eis auszurutschen, machten Fotos in unterschiedlichsten Posen, kauften sich eine der Temperatur angepasste Wollmütze und sprachen dem heißen Tee zu, der in mehreren Souvenir-Läden angeboten wurde.

Wieder hatte man das Gefühl, dass die Einheimischen im Mauer-Erlebnis fast mehr Freude spürten wie wir Europäer.

Im Verkehrstrubel von Peking-Zentrum angekommen, hatte wir dann einige Mühe, den Zwischenstop bei den olympischen Anlagen zu verwirklichen und das „Vogelnest“ zu filmen. (www.de.wikipedia.org/wiki/Nationalstadion_Peking ) Abends gab es dann für Feinschmecker die obligate Peking-Ente.


Fast ungestört im Kaiserpalast

Der dritte war auch schon der letzte Tag in Peking, übersetzt der „nördlichen Hauptstadt“. . Wir begannen die Besichti-gung der „Verbotenen Stadt“ mit ihrer Grundfläche von mehr als 720.000 qm, bei den Privatgemächern der Kaiser-Dynastie sehr früh, sodaß wir die Architektur und Historie der Bauten noch ohne Störung durch andere Gruppen genießen konnten.

Dort lebten und regierten bis zur Revolution 1911 die chinesischen Kaiser der Dynastien Ming und Qing. Der einfachen Bevölkerung war der Zutritt verwehrt – was den Namen Verbotene Stadt erklärt. Die freundlich scheinende Sonne ließ uns vergessen, dass es knapp über null Grad hatte. Erst am südlichen Ende des Distrikts umströmten dann die Massen die drei großen Hallen mit Bezug zum Himmel und zum Volk Chinas.

Das „Tor der Höchsten Harmonie“ wird wie viele der Palasttore von zwei Bronzelöwen bewacht, welche die Stärke der kaiserlichen Macht versinnbildlichen, und führt zur „Halle der höchsten Harmonie“ Diese 1420 erbaute, 35 Meter hohe und 2.400 m² große Halle wird von 24 Säulen getragen. Die dominierenden Farben sind wie überall hier Gelb, die Farbe des Kaisers und Rot, die Farbe des Glücks.

Der Drachenthron steht mitten im Raum. Der Thron wird von zwei Elefanten, die den Frieden symbolisieren, bewacht. Benutzt wurde die Halle zur Thron- besteigung eines neuen Kaisers, zu Feierlichkeiten beim Geburtstag des Herrschers, zum neuen Jahr, zur Wintersonnenwendefeier, zur Bekannt-gabe der Kandidaten, welche die kaiserliche Beamtenprüfung bestanden hatten, oder zur Nominierung der Generäle, wenn ein Feldzug bevorstand. 9.999 Räume standen dem Kaiser zu Verfügung, nur der Himmel selbst durfte 10.000 haben ....

Südlich der Verbotenen Stadt dominiert das China der Gegenwart - .der Tian'anmen-Platz (als größter der Welt angesehen), das National-Museum sowie das Parlament des drittgrößten Landes der Welt, mit seinen rund 50 Minderheiten.

Dar Nachmittag war ursprünglich fürs Shopping in der globalisierten Vorzeigewelt der Wangfujing-Straße (www.tripwolf.com/de/guide/.../Peking/Wangfujing) vorgesehen, unsere Gruppe wünschte sich aber mehr Sightseeing und investierte ein paar Yuan in ein sehr abwechslungsreiches Zusatzprogramm, beginnend mit dem an einem zauber-haften See gelegenen Sommerpalast des Kaisers und zahlreichen Wandelgängen.


Per Rikscha durch die Hutongs

Eine Rad-Rikschafahrt führte uns anschließend in die engen Gassen (Hutongs) Pekings, inkludierte das verdolmetschte Gespräch mit einer Gastgeber-Familie für Besucher von Olympia 2008 in einem, sagen wir malerischen Innenhof der Altstadt und schloß mit einem Spaziergang an einem ehemaligen Flusshafen mit Opiumhöhlen, die heute Souvenirläden geworden sind, ab. Immerhin bestellten wir dort stolz mit „bitte“ und „danke“ und einigen anderen Wörtern, die uns Leo gelehrt hat, erstmals allein einen wunderbaren Grünen Tee in einem Studentenlokal.
Unser Nachtzug in die alte Kaiserstadt Luoyang hatte erst um 22 h Abfahrt, es blieb uns also immer noch viel Zeit, die Leo nutzte, um uns mit TCM, der traditionellen China-Medizin bekannt zu machen. Für alle die wollten, gab es eine kostenlose Fußmassage samt Gesundheitsberatung in einem nahe gelegen TCM-Zentrum. (www.tcm-austria.com/) Einer von mehreren „Marketing-Events“, die der chinesische Partner unseres Reisebüros zum Zeitvertreib und zur Bereicherung auf der Reise eingeplant hatte, wie Erläuterungen zur chinesischen Version der Perlenzucht, Jadekunst und Teezeremonien.


Nudeln und Softsleeper

Am Pekinger Westbahnhof machten wir noch mit Nudel-Fastfood Bekanntschaft, flott, billig und schmackhaft mit einem Becherchen Bier dazu. Es gibt aber natürlich auch vornehmere Restaurants an diesem größten Bahnhof des Landes.

Vor dem Waggon wurden wir dann vom Personal mit einer Verbeugung begrüßt und bezogen unser 2er Abteil erster Klasse („Softsleeper“) mit allem was man nächtlich so braucht - inklusive ornamentalen Fenstervorhängen, Wasser- flasche, Servietten, Pantoffeln u.v.m. (www.travelchinaguide.com/china-trains/tickets.htm) Heißes Wasser für unsere Instant-Nudel-Fans in der Gruppe stand immer zur Verfügung. In den modernsten Zugversionen kommt zum Radio sogar Bord-TV hinzu. Einschlafen war nach dem intensiven Tag für uns nicht schwer.

Schon unterwegs merkten wir den heftigen Schneefall und lasen in der mitgebrachten engl. Zeitung von zahlreichen Flugausfällen auf den internationalen Airports des Landes. Der Winter hatte Nordchina voll im Griff und bescherte uns eine Verspätung von mehr als 3 Stunden. Flott ging es nach der Ankunft ins zentral gelegene Hotel Peony, das seinen Namen von der Pfingstrosenstadt Luoyang ableitet und in dessen Räumen sich das Blumenmotiv ständig wiederfindet. Von unserem Zimmer hatten wir einen Blick auf eine der geschäftigen Hauptstraßen der 6 Millionen-Stadt.


Luoyang: Wo Konfuzius studierte und Shaolins kämpfen

Sie wurde ursprünglich von Zhougong im 11. Jahrhundert v. Chr. errichtet und hieß damals Chengzhou. Man sagt, dass Konfuzius in Luoyang studierte und Laozi ebenfalls hier arbeitete. Um 770 v. Chr. wurde die Stadt zur Hauptstadt der Zhou-Dynastie. Im Jahr 510 wurde sie in einem Bürgerkrieg zerstört, im Jahr darauf auf Anordnung des Königs jedoch wiederaufgebaut. www.german.china.org.cn/english/chuangye/41992.htm )

Aus dem geplanten Frühstück wurde eines der besten Mittagessen der Reise und Leo plante das Programm so um, dass wir zuerst die Buddha-Grotten in Longmen nahe der Stadt besuchten. Auf einem etwa 1000 m langen Klippenstück 12 km südlich der Stadt befinden sich 2345 Grotten. Sie enthalten zahlreiche Pagoden, Gedenk-steine, Buddhafiguren und Stein-skulpturen. Die Grotten wurden 2000 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Schon hier bewährte sich die an der „Great Wall“ erstandene zweisprachige Skimütze recht gut und wies uns als schon weit herumgekommene Fremde aus, denn ihre Schrift konnten die vielen einheimischen Händler und Touristen natürlich lesen ....

Das Kloster der Shaolin-Mönche, welches 120 km entfernt am Berg Songshan in der Provinz Henan im Herzen Chinas liegt, war das Reiseziel des nächsten Tages. (www.de.wikipedia.org/wiki/Shaolin )

Es ist berühmt für seine Kampfkunst „Shaolin Kung Fu“, sowie für Tai Chi und Qigong. Das Kloster gilt außerdem als die Geburtsstätte des historischen Chan-Buddhismus, des Vorläufers des Zen. Der Komplex um das Shaolin-Kloster erinnert heute fast schon an einen Freizeitpark. Es wurden ein Dutzend Souvenirläden, ein Tourismusbüro sowie ein Restaurant „Shaolin - The Stage of Joy“ errichtet. Stündlich finden Wushu-Vorführungen für die Touristen statt. Der Abriss fremder Schulen sowie der Aufbau einer zentralisierten Infrastruktur mit eigener Wushu-Schule, selbst gestaltetem Merchandising und Gast-gewerbe lässt wenig Zweifel an der nunmehr größtenteils kommerziellen Ausrichtung des Shaolin-Klosters.

Unsere inzwischen dank Leo erworbenen Sprachkenntnisse reichten aus um ungewünschte Souvenir-VerkäuferInnen in Schach zu halten. Oft gab einem schon ein einfaches „Bu“ (Nein) den Status eines fortgeschrittenen, mit örtlicher Kommuni-kation vertrauten Fernost-Reisenden. (Buchempfehlung: Chinesisch - superleicht ! Verlag Dorling Kindersley 2007)

Eine Anzahl vom Kloster unabhängiger Kampfschulen „durfte“ sich im nahe gelegenen Ort Dengfeng ansiedeln. Sie bieten kampfbetonte Erziehung für Buben an und bilden Security Agents für die ganze Welt aus.


In die Mitte Chinas – nach Xi’an

Eisiges Wetter löste eine Sperre der Autobahn aus. Unsere Rückfahrt nach Luoyang vollzog sich über eine Landstraße, die Einblick in die tiefste chinesische Provinz eröffnete. Am Bahnhof angekommen stand uns eine 5-stündige Zugreise in die Kaiserstadt Xi’an in der Hard Sleeper Klasse bevor, für welche wir uns in einem örtlichen Supermarkt mit köstlichen Nudelgerichten, exotischen Snacks und lokalen Marken-getränken eindeckten.

Hardsleeper sind 6-Bett Abteile ohne Tür, ein offener Gang führt durch den ganzen Waggon. Am den Betten gegenüber-liegenden Fenster gibt es jeweils einen Tisch und zwei Hocker, für jene die gerade etwas essen oder besprechen möchten und nicht (angekleideter Weise) im Bett herumlungern wollen.

Xi’an begrüßt uns etwas verspätet mit seiner prächtigen 14km langen Stadtmauer. Die Hauptstadt der Provinz Shaanxi hat 8 Mio Einwohner, war einst Ausgangspunkt der Seidenstraße und für mehr als 1000 Jahre Hauptstadt Chinas. Da Xi'an ziemlich genau in der Mitte Chinas liegt, fahren Züge von fast allen Städten nach oder über Xi'an. (en1.xian-tourism.com/)

Unser Hotel „Le(e) Garden“ liegt etwas abseits vom Zentrum. Das Restaurant-Team ist freundlich genug uns auch nach 22 Uhr noch hervorragendes Essen à la Carte und hervorragenden Rotwein aus landeseigenen Gewächsen zu servieren. Wir blicken aus dem Fenster in einen Garten- und Poolbereich und träumen von wohligen Temperaturen, Sonnenliegen und Sommer-Cocktails am Pool ....

Die Hotelmanager lassen vielfältige Kleinigkeiten in Zimmer und Bad bereitlegen, vielleicht um von den ortsüblich harten Betten abzulenken, die wir allerdings selbst gar nicht unangenehm empfanden.

Gut ausgeschlafen widmeten wir uns am Morgen zunächst einem west-östlichen Frühstück mit Spezialitäten wie dänische Plunder und französische Croissants, wobei einiges mehrmals aufgebacken wirkte. Offenbar hatte hier niemand Kenntnis wie solches Gebäck wirklich aufbereitet wird und schmecken sollte. Schinken, Reis, Kartoffel und Obst mundeten uns aber ausgezeichnet.

Unser Bus brachte uns dann zu einem der Höhepunkte der Reise, nämlich den Terrakotta-Kriegern. Nachdem Xi’an Leo’s Heimatstadt war, „durfte“ er hier selbst führen, ohne ortsansässigen Experten. (www.china9.de › Infos + Fakten › China-Lexikon)


Die Armee, die Kaisermacht und ein einfacher Bauer

Die Ausgrabung ist Teil einer frühchinesische Grabanlage aus dem Jahre 210 v. Chr., welche für den ersten chinesischen Kaiser Qín Shǐhuángdì erbaut wurde. Die Entdeckung der Anlage geschah rein zufällig im März 1974, als chinesische Bauern aus dem Dorf Xiyang versuchten, einen Brunnen zu bohren, um die Trockenheit zu bekämpfen. Der Finder ist heute Staatsangestellter und gibt gerne Autogramme in das offizielle Buch über die Ausgrabungen.

Die Terrakotta- Armee, welche sich auf drei Gruben verteilt, besteht aus 7.278 lebensgroßen Soldaten (Fuß- und Reitsoldaten), denen Pferde und Kriegswagen und echte Waffen (Schwerter, Pfeilspitzen, Armbrüste) beigegeben sind. Es handelt sich um die Darstellung einer vollständigen Armee der damaligen Zeit. Die verschiedenen Ränge sind an unterschiedlichen Uniformen erkennbar. Bis heute ist erst etwa ein Viertel der gesamten Anlage komplett freigelegt.

Im Jahre 1978 entdeckte man 20 Meter westlich vom bisher unangetasteten Grabhügel des Kaisers eine große Grube mit Gespannen als Grabbeigaben. Bei der späteren Probeausgrabung auf einer kleinen Fläche kamen zwei Bronze-Gespanne aus dieser 7,8 Meter tiefen Grube zutage, die heute im Museum nahe der Fundstelle gezeigt werden. Sie sind die frühesten, größten und technisch fortgeschrittensten Bronzegespanne, die in China bekannt sind.

Der spätere Nachmittag war der größten Stadtmauer Chinas und dem Kunstmuseum (samt Shop) im Stadtturm am Südtor gewidmet. Am Abend ging es für Kultur-Interessierte und Baozi-Liebhaber (mit Hackfleisch und anderen guten Dingen gefüllte Teigtaschen) zu einem Festessen ins Tang Dinnertheater, verbunden mit dem Erlebnis einer für hiesigen Verhältnisse kurzen, westlich angepassten, farbenprächtigen grellen Tanz- und Musikaufführung aus der denkwürdigen Zeit der Tang Dynastie. (www.xiantangdynasty.com/lao/doce/3the.htm


Sonne und Schneetreiben beim Sorgenfrei-Tempel

Der Cien-Tempel (der Tempel der Gnade und Güte) wurde 589 n. Chr in der Regierungsperiode Kaihuang des Wen-Kaisers der Sui-Dynastie unter dem Namen Wulou (der buddhistische Begriff bedeutet: „keinen Kummer haben“) erstmals errichtet. Er war das erste Ziel an unserem letzten Tag in Xi’an.

Im Jahr 625 n.Chr. schlug der Mönch Xuanzang, bekannter Pilgerreisender, Übersetzer und buddhistischer Gelehrter in einem Thronbericht an den Kaiser Gaozong erfolgreich vor, im Tempelkomplex eine Pagode zu bauen, um die von ihm mitgebrachten Sutras aufzubewahren. So entstand die berühmte Große Wildgangspagode im Cien-Tempel, eigentlich ein Wissensturm.

Nach dem Mittagessen machten wir einen Spaziergang vom zentralen Trommlerturm zum Glockenturm, deren Instrumente früher der Zeitverkündung dienten. Rund um den Glockenturm befinden sich der turbulente Marktplatz und die Große Moschee, eine der ersten in China, aus dem 15. Jahrhundert, mit Pagode statt Minarett .....
www.chinaguide.de/...xiAn/die__gro_ss_e_moschee.html,)

Handeln lernt man hier rasch

Woher wir kämen, wollten die Händler rund um die Moschee von uns wissen, um besser auf unsere Kaufinteressen eingehen zu können. Und das Schlagwort „Audili ren“ (Österreich Mensch) machte sogleich die Runde. Souvenirs kauft man in der Nähe der Moschee, in den großen Warenhäusern bei den genannten Türmen oder bei den hartnäckigen Händlern vor der Terrakotta-Armee.

Ein Wikipedia-Tip, den man so bestätigen kann: Skeptisch und wortlos den Preisangeboten der Händler zuhören bis sie selber immer weiter runtergehen, oder 20 % (nur bei Souvenirs, sonst ein Drittel) des Anfangspreises nennen und später weggehen, denn dann rufen die Händler einem den gewünschten Preis hinterher.

Xi’an hat Industrie, viele Universitäten, Warenhäuser und eine gesunde Tourismusstruktur mit vielen modernen Markenhotels, ist aber vom Verkehr heillos verstopft. Mit dem U-Bahn Bau wurde erst 2009 begonnen. Das wird also noch einige Jahre dauern, ist aber absolut notwendig.
Wo sind die Fahrräder ?

Infolge des Wirtschaftsbooms der letzten Jahre sind viele Millionen Chinesen vom Fahrrad aufs Auto umgestiegen und das ergibt in vielen Städten wie Peking, Shanghai oder Xi’an verstopfte Straßen. Das bekannte Lied von den „neun Millionen Fahrrädern in Peking“ www.azlyrics.com/lyrics/.../ninemillionbicycles.html lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Und die Chinesen in der Stadt sind offenbar stolz auf ihre wirtschaftliche Weiterentwicklung.

Unser Abendzug startete diesmal schon gegen 20 Uhr. Wieder ging es durch die analog zum Flughafen organisierte Gepäckkontrolle am Bahnhof Xi’an zu unserem gemütlichen Schlafabteilen. Als wir erwachten, war es schon einigermaßen hell und der Pekinger Westbahnhof nicht mehr weit entfernt. Nach einem guten Frühstück, einer Teezeremonie in einem der größten Fachgeschäfte der Stadt und einem heftigen Shopping-Stop in einem sechsstöckigen Einkaufszentrum, wo man wieder ausgiebig handeln konnte, war es dann Zeit, am Flughafen von Lucy und Leo Abschied zu nehmen. Wer noch Budget bzw. chines. Yuans hatte, deckte sich im Duty Free Bereich mit weiteren China-Artikel ein, die dort überraschend günstig angeboten wurden.

Es wird wieder wärmer in Peking. Zehn inhaltsreiche Tage, von den Reisebüros in Xi’an und Wien bestens organisiert und zu einem exzellenten Preis-Leistungs-Verhältnis angeboten, haben einen guten Eindruck hinterlassen, aber auch den Wunsch nach mehr geweckt, nach dem Süden Chinas, dem Yangtse-Fluss etwa oder Shanghai, Gastgeber der EXPO 2010.


Wien, November 2009, vy-

 


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